Galerien

Die Weihnachtsfeiertage

Mein iPhone hat sich gut an die kalten Temperaturen gewöhnt. Bei Zimmertemperatur war es ihm dann zu warm.
Mein iPhone hat sich gut an die kalten Temperaturen gewöhnt. Bei Zimmertemperatur war es ihm dann zu warm.

Den ersten Weihnachtsfeiertag nutzen wir für eine kleine Wanderung auf den Sovintovaara, einen Hügel direkt oberhalb unserer Unterkunft. Oben gab es neben einem alten Panzer und einem Geschütz, ein kleines Museum sowie ein Café. Leider war beides schon seit Ende September geschlossen, und schlummerte unter einer tiefen Schneedecke.

Abends freuten wir uns auf ein leckeres Essen im Pubi in Ivalo. Leider war die Küche dort jedoch geschlossen, so dass wir notgedrungen auf unserem Zimmer auf Tassensuppe ausweichen mussten. Wir überwachten den Himmel mit der Aurora-Live-Cam, und wurden wieder belohnt. Inzwischen hatten wir uns besser mit der Kamera vertraut gemacht und die meisten Bilder wurden unverwackelt. (Einige verwackelte Bilder gab es, da sich ein Teil vom Stativ sich etwas gelöst hatte. Bei -28 Grad und Dunkelheit war das jedoch nicht zu beheben.)

Am 26. fuhren wir nach dem Frühstück nach Inari und besuchten das Samenmuseum (Siida). Dort gab es neben mehreren Ausstellungen (Fotos, Kunsthandwerk, Naturkunde) auch einen sehr schönen Film über Polarlichter zu sehen. Wir verbrachten viele Stunden dort, so dass es schon dunkel wurde, als wir das Museum verließen. Draußen begrüßte uns der Mond, den wir schon einige Zeit nicht mehr gesehen hatten. Endlich hatten wir auch mehr Glück beim Pubi in Ivalo und füllten unsere Mägen mit einem Big Boy Burger bzw. Nudeln.

Zum Abschluss unserer schönen Zeit in Lappland wurden wir nachts  von tollen Polarlichtern verabschiedet. Diesmal passte alles mit dem Fotoequipment, so dass viele gute Fotos entstanden. Entweder Polarlicht zu sehen ist nicht schwer, oder wir hatten während unseres Aufenthalts sehr viel Glück. Von 6 Nächten gab es 5 mit Aurora Borealis (die erste davon hatten wir ja leider verpennt).

Am nächsten Tag brachen wir früh auf in Richtung Flughafen. Wir trafen dort um Punkt 08:00 Uhr ein, und eine Frau schloss den Flughafen für uns auf. Drinnen waren wir die ersten am Schalter und bei der Sicherheitskontrolle. Das kann einem in Frankfurt wohl nicht so leicht passieren. 🙂

In Helsinki angekommen nahmen wir erst den Bus zum Hauptbahnhof und liefen von dort zu unserer Unterkunft. Ziemlich verschwitzt kamen wir dort an. Irgendwie warm hier in Südfinnland (-4° C statt -28° C)!

Hyvää Joulua

Heilig Abend fuhren wir vormittags auf den Berg (eher ein Hügel – Finnland ist ziemlich flach) Kaunispää in der Nähe von Saariselkä. Hier genossen wir kurz den wundervollen Ausblick und machten viele Fotos. Um 11:55 wurde dort oben dann der Weihnachtsfrieden verkündet. Auf Grund des eisigen Windes blieben wir nicht allzu lange und beschlossen, noch ein paar Fotos im Tal zu machen. Dann ging es zurück nach Ivalo in unsere Unterkunft.

Den Nachmittag verbrachten wir gemütlich in unserer Hütte. Um 18:00 Uhr begann dann das Weihnachtsbuffet in unserer Ferienanlage. Als Vorspeise gab es verschiedene Fischvariationen, geräuchertes Rentierfleisch und Salate. Als wir uns von den Hauptgerichten (Kartoffel-, Möhren- und Steckrübenpüree, Weihnachtsschinken, Fleischbällchen, u.v.m.) genommen hatten, stürmte ein sehr aufgeregter Mann in den Speisesaal: Draußen gab es Polarlichter zu sehen! Wir ließen unser Essen stehen, eilten hinaus und genossen das mehrere Minuten lange, sehr intensive Schauspiel. Als wir zurückkamen, war unser Essen schon kalt. Nach dem Nachtisch (Kuchen und Joulutorttu) gingen wir zu unserer Mini-Bescherung auf unser Zimmer. Nebenbei beobachteten wir die neu entdeckten Polarlicht-Live-Cams.

Schon nach kurzer Zeit sahen wir starke Aktivität, packten uns warm ein und eilten mit dem Kamera-Equipment auf den See. Leider hatte ich mittags wohl den Fernauslöser für die Kamera verloren, und wir wussten nicht, wie man bei unserer Kamera mit Selbstauslöser Langzeitbelichtungen macht. So wurden die meisten Bilder sehr verwackelt. 🙁

Aurora Borealis

Nach der großartigen Husky-Safari stand heute eine Rentier-Safari auf dem Programm. Vorher deckten wir uns allerdings im überfüllten Supermarkt mit Proviant (vor allem Kekse!) für die kommenden Feiertage ein. Um 13:00 Uhr starteten wir dann gemütlich mit dem Auto in Richtung Saariselkä, einem Ferienort ca. 40km südlich von Ivalo. Zwischen 10:00 Uhr und 14:00 Uhr ist es hell, und so fuhren wir einer wunderschönen Dämmerung entgegen.

In Saariselkä parkten wir vor dem Holiday Club, direkt neben dem Angry Birds Activity Park. Im Büro des Veranstalters erhielten wir wie gewohnt warme Kleidung (leider nicht ganz so warm wie am Vortag). Dann ging es mit dem Bus weiter zur Rentier-Farm. Hier warteten schon Rentiere mit Schlitten geduldig auf uns. Je zwei Personen fanden in einem Schlitten (gezogen von je einem Rentier) Platz. Ohne Einweisung ging es direkt in atemberaubendem einschläferndem Tempo (ca. 4km/h) los. Unserem Rentier war das zu langsam, und so ging es zeitweise neben dem Vorderschlitten.

Nach einiger Zeit erreichten wir eine Lagerstätte, wo Timo, unser samischer Guide, uns in die hohen Künste des Feuermachens einweihte (Benutze Feuerzeug mit Holz). Timo setzte Tee und Kaffee auf, bevor er eine gefühlte Ewigkeit zum Telefonieren in den Wald verschwand. Zwischendurch kam er mal wieder um die Rentiere, welche sich von ihrem Platz fortbewegt hatten, und halb im Schlitten standen fluchend und tretend an ihren Platz zu scheuchen. Nach Telefonat und Tee, der nicht viel gegen die eisige Kälte (-27 Grad) half, ging es im Rentierschlitten zurück. Wir entschieden uns zu laufen, um wieder etwas aufzutauen.

Auf der Farm gab es lauwarme Lachs-Suppe, Tee, Kaffee und einen Nachtisch für uns. Timos Frau, die etwas gesprächiger war, erzählte vom Leben als Rentierzüchter heute und früher. Anschließend ging es wieder mit dem Bus zurück. Fazit: Die teuerste Suppe unseres Lebens.

In Saariselkä gingen wir ins Kuukkeli Shopping Center und deckten uns mit Sturmmasken gegen die Kälte ein. Dann fuhren wir zurück zu unserer Unterkunft, um noch etwas Kraft uns Wärme für die Nacht zu tanken, denn dort wollten wir endlich Polarlicht sehen.

Gesagt, getan: Um ca. 21:15 Uhr machten wir uns auf zur Paatsjoki-Brücke östlich des Dorfes Nellim, in Sichtweite der russischen Grenze. Dieser Ort wurde uns für Polarlichtbeobachtungen empfohlen. Die Entfernung betrug zwar nur 62km, aber aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse fühlte sich die Fahrt wie eine halbe Ewigkeit an.

An der Brücke herrschte schon reger Betrieb. Es warteten schon einige Autos und ein Reisebus dort. Gleich nach unserer Ankunft rannte ein aufgeregter Tourist zu uns und meinte, dass es schon Aktivität gegeben habe. Zu unserer Ankunftszeit sah man aber nur einen ganz schwachen Streifen, den wir nicht wirklich als Polarlicht deuten konnten. Wir übten ein wenig mit den Kamereinstellungen und warteten. Gerade als die meisten anderen, unter anderem auch der Bus, fortfuhren, begann am Himmel ein richtiges Spektakel: Über uns leuchtete es grün und rot und veränderte ständig seine Form. Es war einfach wunderschön und man kann dieses Phänomen gar nicht wirklich in Worte fassen.

Glücklich und zufrieden (auch darüber, dass wir ein paar schöne Bilder machen konnten) machten wir uns auf den Heimweg. Während der Fahrt beobachteten wir immer wieder den Himmel und konnten nach einiger Zeit wieder grünes Leuchten entdecken. Am nächsten Parkplatz hielten wir dann an und sprangen mit Kamera und Stativ aus dem Auto. Das erwies sich als goldrichtig, denn nun tauchte überall um uns herum Polarlicht auf.  Kurze Zeit später kam auch der Bus von der Brücke angerast und wir waren nicht mehr die einzigen Fotografen. Als die Erscheinungen wieder schwächer wurden konnten wir uns endlich losreißen, fuhren heim und fielen durchgefroren und mit tauben Zehen, aber glücklich in unser Bett.