Aurora Borealis

Nach der großartigen Husky-Safari stand heute eine Rentier-Safari auf dem Programm. Vorher deckten wir uns allerdings im überfüllten Supermarkt mit Proviant (vor allem Kekse!) für die kommenden Feiertage ein. Um 13:00 Uhr starteten wir dann gemütlich mit dem Auto in Richtung Saariselkä, einem Ferienort ca. 40km südlich von Ivalo. Zwischen 10:00 Uhr und 14:00 Uhr ist es hell, und so fuhren wir einer wunderschönen Dämmerung entgegen.

In Saariselkä parkten wir vor dem Holiday Club, direkt neben dem Angry Birds Activity Park. Im Büro des Veranstalters erhielten wir wie gewohnt warme Kleidung (leider nicht ganz so warm wie am Vortag). Dann ging es mit dem Bus weiter zur Rentier-Farm. Hier warteten schon Rentiere mit Schlitten geduldig auf uns. Je zwei Personen fanden in einem Schlitten (gezogen von je einem Rentier) Platz. Ohne Einweisung ging es direkt in atemberaubendem einschläferndem Tempo (ca. 4km/h) los. Unserem Rentier war das zu langsam, und so ging es zeitweise neben dem Vorderschlitten.

Nach einiger Zeit erreichten wir eine Lagerstätte, wo Timo, unser samischer Guide, uns in die hohen Künste des Feuermachens einweihte (Benutze Feuerzeug mit Holz). Timo setzte Tee und Kaffee auf, bevor er eine gefühlte Ewigkeit zum Telefonieren in den Wald verschwand. Zwischendurch kam er mal wieder um die Rentiere, welche sich von ihrem Platz fortbewegt hatten, und halb im Schlitten standen fluchend und tretend an ihren Platz zu scheuchen. Nach Telefonat und Tee, der nicht viel gegen die eisige Kälte (-27 Grad) half, ging es im Rentierschlitten zurück. Wir entschieden uns zu laufen, um wieder etwas aufzutauen.

Auf der Farm gab es lauwarme Lachs-Suppe, Tee, Kaffee und einen Nachtisch für uns. Timos Frau, die etwas gesprächiger war, erzählte vom Leben als Rentierzüchter heute und früher. Anschließend ging es wieder mit dem Bus zurück. Fazit: Die teuerste Suppe unseres Lebens.

In Saariselkä gingen wir ins Kuukkeli Shopping Center und deckten uns mit Sturmmasken gegen die Kälte ein. Dann fuhren wir zurück zu unserer Unterkunft, um noch etwas Kraft uns Wärme für die Nacht zu tanken, denn dort wollten wir endlich Polarlicht sehen.

Gesagt, getan: Um ca. 21:15 Uhr machten wir uns auf zur Paatsjoki-Brücke östlich des Dorfes Nellim, in Sichtweite der russischen Grenze. Dieser Ort wurde uns für Polarlichtbeobachtungen empfohlen. Die Entfernung betrug zwar nur 62km, aber aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse fühlte sich die Fahrt wie eine halbe Ewigkeit an.

An der Brücke herrschte schon reger Betrieb. Es warteten schon einige Autos und ein Reisebus dort. Gleich nach unserer Ankunft rannte ein aufgeregter Tourist zu uns und meinte, dass es schon Aktivität gegeben habe. Zu unserer Ankunftszeit sah man aber nur einen ganz schwachen Streifen, den wir nicht wirklich als Polarlicht deuten konnten. Wir übten ein wenig mit den Kamereinstellungen und warteten. Gerade als die meisten anderen, unter anderem auch der Bus, fortfuhren, begann am Himmel ein richtiges Spektakel: Über uns leuchtete es grün und rot und veränderte ständig seine Form. Es war einfach wunderschön und man kann dieses Phänomen gar nicht wirklich in Worte fassen.

Glücklich und zufrieden (auch darüber, dass wir ein paar schöne Bilder machen konnten) machten wir uns auf den Heimweg. Während der Fahrt beobachteten wir immer wieder den Himmel und konnten nach einiger Zeit wieder grünes Leuchten entdecken. Am nächsten Parkplatz hielten wir dann an und sprangen mit Kamera und Stativ aus dem Auto. Das erwies sich als goldrichtig, denn nun tauchte überall um uns herum Polarlicht auf.  Kurze Zeit später kam auch der Bus von der Brücke angerast und wir waren nicht mehr die einzigen Fotografen. Als die Erscheinungen wieder schwächer wurden konnten wir uns endlich losreißen, fuhren heim und fielen durchgefroren und mit tauben Zehen, aber glücklich in unser Bett.

Unterwegs auf dem Hundeschlitten

Heute stand eine Husky-Safari auf unserem Programm. Nachdem wir uns im Guesthouse Husky mit richtig warmer Winterkleidung eingedeckt hatten, bekamen wir eine kurze Einweisung in das Schlittenfahren (Schön in das Kurveninnere lehnen, Abstand halten, mit dem ganzen Körpergewicht oder notfalls zusätzlich mit dem Gewicht von Schlitten und Passagier bremsen – und am wichtigsten: gut festhalten!).

Dann bekamen jedes Zweierteam ein Hundegespann zugewiesen. Die Hunde warteten schon ungeduldig auf uns, und sprangen energiegeladen in die Luft aus Vorfreude. Unter lautem Hundegebell (insgesamt gibt es dort über 140 Huskys) ging es los. Unsere sechs Vierbeiner waren leider nicht so gut eingespielt, weshalb uns die anderen Schlitten – trotz fleißiger Mithilfe durch Anschieben – immer wieder abhängten. Auch der Tausch eines Hundes half nicht, so dass wir zusätzlich einen siebten Husky vor den Schlitten gespannt bekamen.

Mit dem siebten Hund am Schlitten war es schwierig, nicht fremdbestimmt loszusausen. Die Hunde haben wirklich erstaunlich viel Kraft, und wenn man von der Bremse steigt gibt es erstmal ordentlich Vortrieb. Es ging durch Wälder, Wiesen und über zugefrorene Seen, bis wir nach 2-3 Stunden ein großes Zelt erreichten, in dem schon ein wärmendes Feuer brannte. Juri, unser finnischer Guide mit russischem Akzent, kochte uns darauf Kaffee, Tee und sehr leckere Suppe mit Gemüse, Sahne und Lachs.

Nach dieser wärmenden Pause ging es in der schon einsetzenden Dämmerung zurück zur Husky-Farm. Auf dem Rückweg merkte man den Hunden die Anstrengung dann schon ganz schön an, und wir mussten alle viel anschieben. Da wir auf direktem Wege fuhren, kamen wir schon nach 35 Minuten wieder am Guesthouse Husky an. Dort verabschiedeten wir uns von den Hunden und Juri, pellten uns aus den dicken Overalls und machten uns auf den Heimweg.

Zu Hause angekommen, wärmten wir uns auf, schauten in die Polarlicht-Vorhersage und ärgerten uns schrecklich, dass wir gestern so früh schlafen gegangen sind. Wie uns erzählt wurde, hatten sich nachts die Wolken verzogen und die Polarlichter waren wegen sehr starker Sonnenaktivität wunderbar zu sehen. Auch heute war der Himmel zuerst sternenklar, doch als wir mit dem Stativ auf dem zugefrorenen Inari-See standen, zogen immer mehr Wolken auf (die Polarlicht-Vorhersage war aber sowieso nicht so vielversprechend).

Auf nach Lappland!

Samstag Abend ging unsere Reise nach Finnland los. Unser erster Flug führte uns nach Helsinki, wo wir eine Nacht im Hilton Airport Hotel blieben, bevor es Sonntag vormittag nach Ivalo ging (mit Zwischenlandung in  Kittilä).

Am Flughafen in Ivalo wurden wir gleich von ausgestopften Rentieren und Mardern begrüßt. Mit dem Leihwagen ging es dann erst zum Supermarkt, wo wir erste Vorräte besorgten. Danach fuhren wir zu unserer Unterkunft, wo wir sehr herzlich und in sehr gutem Deutsch empfangen wurden. Wir bezogen unser Blockhüttenzimmer mit Blick in den verschneiten Wald.

Nach einem kurzen Nickerchen (praktischerweise war es schon/noch dunkel :-)) führte uns ein kurzer Erkundungsspaziergang zum See Inari. Anschließend fuhren wir zum Abendessen nach Ivalo zum Pubi, dem nach eigener Angabe „BEST BAR & GRILL IN TOWN!“. Könnte auch daran liegen, dass es das einzige Bar & Grill dort ist. 😉

 



überall und nirgendwo